95 Protestnoten

Martin Luther war wohl der erste Prostestler, der eine neue Glaubensgemeinschaft schuf. Seine Anhänger nannten sich fortan Protestanten und waren vereint als Lutheraner in der neuen Evangelischen Kirche.

Reformation, Martin Luther - Messe

Reformation, Martin Luther – Messe in der Gartenkirche, Hannover

Im Luther-Jahr wurde erstmals die Reformation als Feiertag gefeiert.

Martin Luther war ein Revoluzzer, der den kirchlich verordneten Ablass in seinen 95 Thesen anprangerte. Die katholische Kirche schürte die Angst vor dem Höllenfeuer nach dem Tod, indem sie behauptete, dass man sich die Seele freikaufen müsse. Doch die Menschen waren arm. Mit Argwohn betrachtete Luther die Ausbeutung der Bevölkerung. Die Besinnung auf das, was Kirche sein sollte und Jesus predigte, war Nächstenliebe und Hilfestellung. Dem Theologiestudenten und späteren Lehrer Martin Luther kamen die grundlegenden Gedanken der Bibel zu kurz. Für die Kirche stand die finanzielle Einnahme eindeutig im Vordergrund. Aufmüpfige, die sich gegen die Erniedrigungen durch die Kirche wehrten, wurden kurzerhand zu Ketzern erklärt und mussten fürchten gefoltert zu werden und auf dem Scheiterhaufen zu enden.

Luther bemängelte außerdem, dass nur Gebildete die Bibel lesen konnten die Latein verstanden und nicht das gemeine Volk. Als er schließlich untergetaucht auf der Wartburg saß, übersetzte er die Bibel in die Deutsche Sprache. … Wissen ist Macht.

Mögen die Menschen die Bibel lesen,

werden sie sich an Wissen bereichern,

danach leben und handeln.

Collage: "Die Gläubige"

Collage: „Die Gläubige“

Doch damit nicht genug.

Der Buchdruck war von Johann Gutenberg erfunden und die Thesen, wie später auch die übersetzte Ausgabe der Bibel, gingen in die erste Massen-Produktion. Überzeugte Anhänger beförderten die gedruckten Thesen in alle Winkel des Römisch-deutschen Reiches. Die Verbreitung der Thesen und der Heiligen Schrift hatte zur Folge, dass die Gläubigen erstmals nachlesen konnten, was die Kirche ihnen bis dahin durch Kirchenvertreter, dem Pfarrer, verlesen ließen – vieles wich ab. Erstmals war eine abweichende Interpretation des Textes nicht mehr möglich. In der Folge wurde die Bibel zum meistverkauften Produkt und Marketing hat man nebenbei auch noch erfunden.

Originaler Buchdruck der Luther-Bibel aus 1620

Luther-Bibel – Originaldruck von 1660

Die Verbreitung hatte zur Folge, dass Martin Luther die Menschen hinter sich hatte, die sich nach Veränderung und Gerechtigkeit sehnten. Die Kirche hatte an Macht zwar nicht verloren, doch die Masse stellte eine nicht zu unterschätzende Kraft dar. Davor hatten letztlich alle Herrschenden Angst. So begannen Revolutionen … .

Doch was Luther nicht voraussehen konnte, war der Beginn eines Glaubenskrieges, den sich auch andere Machthungrige zunutze machten: der Dreißigjährige Krieg.

Im Gegensatz zu dem, was Martin Luther bezweckte, gab es eine politische Neuordnung und von ca. 18 Millionen Bürgern sind angenommene 6 Millionen in der Zeit gewalttätig unmittelbar oder folglich gestorben. Eine Mitteleuropäische Katastrophe, die nur noch durch die zwei Weltkriege im 20. Jhd. übertroffen wurde. Die Kirche jedoch sollte in der Folge der Reformation an Einfluss verlieren.

Reformation, Martin Luther - Messe

Pastor Dietmar Dohrmann bei der Messe

Zum 500. Reformationsjahr 2017 wurde in verschiedenen Kirchen ein besonderer Film über das Leben Martin Luthers aus dem Jahre 1927 gezeigt. Ich bin mir zwar sicher, dass Luther diesen wie auch alle anderen Versionen zu seinem Leben, nicht gemocht hätte, dennoch ist der Film gelungen. Nicht zuletzt die schauspielerische Darstellung spricht für sich. Die Atmosphäre in der Kirche und die Akustik haben den filmischen Charakter unterstrichen. Mit einer Abspielzeit von 112 Minuten, ist das Videomaterial inklusive Versandkosten für ca. 30,- €uro beim Bundesarchiv auszuleihen. Ein DVD-Kauf ist nicht möglich.

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Die Orgel mit Decken-Schlussstein im Chorraum, ein Seitenfenster und ein Seiteneingang

Die Gartenkirche ist nicht ganz so alt, wie die Luther-Bibel aus dem Jahre 1660 aus dem Nachlass von Jürgen Holdgrün. Der Gartenfriedhof ist indes berühmt, weil Prominente, darunter die Jugendfreundin Goethes Charlotte Buff, die in dem Werk „Die Leiden des jungen Werther“ verewigt wurde, dort ihr Grabmal hat. Charlotte Kestner, wie sie nach ihrer Heirat hieß, trug mit der familiären reichhaltigen Kunstsammlung zur Gründung des Kestner-Museums bei.

Historische Kirche im Luther-Fieber, 2002 renoviert

Historische Kirche im Luther-Fieber, 2002/5 renoviert

Die Renovierungsarbeiten standen ganz im Zeichen der Rückbesinnung auf das originale Erscheinungsbild der Kirche. Die Betonempore wurde abgerissen und durch eine Natursteinempore ersetzt. Die Orgel bekam ihren ursprünglichen Standort auf der Westempore wieder. Der Originalfußboden wurde wieder freigelegt und restauriert. Die historische Farbfassung wurde wieder aufgenommen und beispielhaft an „historischen Sichtfenstern“ freigelegt. (Textauszug: Webseite der Gartenkirche)

Eines der Schätze an dieser Kirche ist die Monduhr

Eines der Schätze an dieser Kirche ist die Monduhr

Die Renovierung ist gelungen.

 

Titelbild: Inschrift eines in den Boden eingelassenen Grabsteines, Empore                             (… wird sichtbar, wenn man den Titel 95 Protestnoten anklickt)

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