Wenn die Reha-Maßnahme zum Trauma wird

Diffamiert, diskriminiert und gemobbt

… als wäre eine Krankheit nicht genug, da wird man noch verleugnet, diffamiert und gemobbt und das von Psychotherapeutinnen.

Der Grund war anscheinend, dass ich schon in die Aufnahmeunterlagen hineinschrieb, was meine Umgebung zu bieten haben muss. Zum Beispiel wollte ich keinen Teppich, weil ich eine u.a. Hausstaub-Allergie habe. Aber das, was mich in der HELIOS Klinik Rothaar in Bad Berleburg erwartete, war die Krönung allem Schlechten, die sich kein Mensch wünschte.

Luftbild von der HELIOS-Klinik Rothaar

Luftbild von der HELIOS-Klinik Rothaar (hängt im Klinikgang). Mein Zimmer: Feil in Pink, hinter dem Baum, in der Ecke

Nachdem ich schon mit Verspätung in der Klinik eintraf, wurde ich in ein dunkles Loch mit verdrecktem Teppich, Schimmel im Badezimmer und einer unglaublich dreckigen Lüftung gesteckt. Die Schwester, die mich in das Zimmer begleitete, preiste das geräumige 2er Zimmer an, als sei es ein Privileg dort gastieren zu dürfen. Das war es aus der Sicht eines Allergikers nicht und schon gar nicht für Wochen. Ich bat um ein Zimmer ohne Teppichfußboden – die anderen relevanten Begebenheiten hatte ich bis dahin noch gar nicht entdeckt.

Die Schwester meinte, ich müsste meine Beschwerden bei dem Erstgespräch mit der Bezugstherapeutin angeben. Ich glaube, ich hatte eine Ahnung von dem, was da auf mich zurollte und sollte mit meiner Ahnung recht behalten.

Ich hatte zwei Zimmer [Raum 1 und 2] mit einem kleinen Flur und ohne Türen zur Verfügung und ein Badezimmer, welches zwar irgendwann mal renoviert worden war, aber leider innenliegend und Ansätze des Schimmelpilzes Aspergillus negri an den üblichen Ecken und Rändern aufwies. Die Lüftungsanlage, die das vermutlich verhindern sollte, war völlig verstaubt und zog nicht die Feuchtigkeit heraus, sondern blies sämtlichen Staub der Umgebung zurück in das Bad. Nicht gesund für Asthmatiker / Allergiker.

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Der Teppichfußboden bei der Heizung. Es zog durch die Ritzen der nach unten verlängerten Fenster eiskalt in den Raum, es war feucht und sichtbar schimmelig.

Den Schimmel bearbeitete ich mit Essig und den Schalter der Lüftung, der mit der Deckenbeleuchtung gekoppelt war, überklebte ich später mit Paketband, damit der Dreck da blieb, wo er war: in der Lüftungsanlage. Die Putzfrauen schalteten immer alles an, wenn sie sauber machten. Der Staubsauger (kein leistungsstarker Industriesauger) war nicht Allergikergeeignet und pustete den eingesaugten Dreck einfach wieder hinaus – und das konnte man riechen.

Neben der Lüftung waren die Lücken der Deckenpaneelen genauso staubig, wie die Lüftung selbst. Die Panelen wurden mit einer Dämmung verbaut und seitdem nicht mehr angerührt. An einigen Stellen musste anscheinend nachgebessert werden, aber es wurden die Kabel und die Dämmung nicht wieder ordnungsgemäß abgedeckt, sondern schauen hervor. Von allein bewegen sich weder die Panelen noch die Dämmplatten, die aus einem dunklem (schwarzen) Material sind. Der Staub ist in der Bildvergrößerung gut sehen.

Die Ablagen waren geputzt worden, aber die Heizung anscheinend monatelang nicht. Ich reinigte die Rippenröhren mit dem dünnen Klopapier, dass ich anfeuchtete, bevor ich meine Handtücher über die warmen Rohre hängte.

In der Dusche fand ich in der Seifenablage einen Deckel von einem Duschgel oder Shampoo. Auch wenn soetwas mal passieren kann … sollte hier so bei Patientenwechsel gereinigt werden, dann möchte ich mir nicht vorstellen, was die Reinigung der nicht so offensichtlichen Flächen betraf. Später hörte ich von ähnlichen Erlebnissen anderer Patienten in ihren Zimmern.

Ich bemerkte sehr schnell, dass die Funzeln an der Decke und die Wandleuchte für das Arbeiten am Schreibtisch nicht ausreichten. Ich hätte den Schreibtisch woanders hinschieben müssen, um mir nicht im Licht zu sitzen. Die Deckenlampe spiegelte sich außerdem im Bildschirm. Die einzige Tischlampe in den beiden Räumen konnte ich nicht auf dem Schreibtisch platzieren, weil das Kabel zu kurz und am Tisch keine Steckdose vorhanden war. Ein Kabelschacht hinter dem Sofa erwies sich als Steckdosenlos. Die Tischlampe platzierte ich schließlich auf dem kleinen Sofatisch. Das Sofa baute ich zum Bett um. R1 war mehr etwas für mich, als das Schrankzimmer mit dem Kinderbett in R2. Es erinnerte mich zu sehr daran, was ich in meinem Leben vermisste. Außerdem wirkte R2 ungemütlich mit der erschlagenden Schrankfront.

Nach Aussage der Schwester hatte ich sämtliche Termine verpasst, die man schon ab dem frühen Nachmittag für mich gesetzt hatte. Doch der erste Termin war schon eine halbe Stunde vor meinem eigentlichen Eintreffen. Man hatte also meine Ankunftszeit ignoriert, die ich gewissenhaft mitgeteilt hatte, wie später auch meine Anrufe, dass ich den Anschlusszug nicht erreichen konnte und eine volle Stunde später gegen 15:26 Uhr am Bahnhof Bad Berleburg eintreffe. Ein zugesicherter Abholdienst war dann trotzdem nicht vor Ort, sondern kam fast 40 Minuten später – nach erneutem Telefonat mit der Klinikrezeption.

Die Bezugstherapeutin

Bei dem Gespräch mit meiner sogenannten Bezugstherapeutin konnte ich keine Besserung für mich erreichen. Stattdessen spürte ich eine innere Abneigung, die mir entgegenschwappte. Diese Frau hatte etwas steifes, abwendendes und kaltes. Sie zog ein Gesicht, dass an eine unrenovierte Fassade erinnerte, die mit ihrer Situation unzufrieden war. Vielleicht war es Unsicherheit, die sie hinter einer Mauer verbergen versuchte. In jedem Fall sprach ihre vornehmlich dunkle Kleidung Bände. Sigmund Freud hätte seine Freude an der Analyse dieses Individuums.

Sie fragte mich, was ich mir vorstellte. … ich stutzte. Was stellte ich mir vor? Vor allem, dass ich verstehe, was sie hören wollte … und ich fragte nach, was sie meinte. Sie erklärte, ich solle ihr mitteilen, was ich mir von der Reha versprach. Ich wollte mit allen Krankheitssymptomen leben können. Letztlich verfolgte ich ein Ziel: eine Bestätigung der kompakten und unterschiedlichen körperlichen Schäden, in deren Folge ich Arbeitsunfähig geworden bin. Dann wollte sie wissen, wann ich genau die Erwerbsminderungs- bzw. Erwerbsunfähigkeitsrente beantragt hatte und wie ich vorgegangen bin. Ich fragte sie, ob sie meine Unterlagen, die ich ausgefüllt per Mail zur Klinik geschickt hatte, nicht gelesen hatte. Ich wollte die Gesprächszeit für etwas anderes nutzen, als dem, was mich in die Situation brachte, in der ich mich befand. Ich vermute, dass sie das nicht gut fand. Sie notierte etwas, blieb mir jedoch eine Antwort schuldig.

Und in das Schwimmbad konnte ich auch nicht, weil man mit Chlor arbeitete und nicht mit Sole, was für die Haut generell viel besser war. Wäre das Schwimmbadwasser nicht mit Chlor versetzt gewesen, wäre ich vermutlich jeden Tag dort reingesprungen. Ich musste derzeit immer warten, dass der Sommer die Teiche erwärmte oder bis zum nächsten Urlaub im Süden.

Ich beschwerte mich darüber, dass offenbar niemand meine Unterlagen las, was ein Seitenhieb auf die Bezugstherapeutin selbst war und ich erwähnte das Essen in der Klinikkantine, welches mit gesunder Ernährung nichts zu tun hatte. Außerdem war die Auswahl für Allergiker völlig ungeeignet. Die Soßen waren Massenware und beinhalteten Laktose und Zucker und das nicht zu knapp. Das heißt, dass die Soßen bestanden aus Fertigpulver und wurden angerührt und so schmeckte es auch: gleich, alles schmeckte irgendwie gleich. Es war fast so, wie wenn man jeden Tag die gleiche Suppe mit gleichem Inhalt und Gewürz aß. An der Essensausgabe hatte ich mitbekommen, dass einer Patientin kein Essen ausgegeben werden konnte. Sie gab an, glutenfrei essen zu müssen, doch es gab kein glutenfreies Mittagessen. Irritiert ist sie aus dem Speisesaal gegangen. Später habe ich sie in der Cafeteria wiedergetroffen. Sie hatte sich im Ort (Bad Berleburg liegt in einem Tal, die Klinik auf einer Anhöhe) in einem kleinen Bioladen versorgt und meinte, dass das eine Katastrophe sei und sie habe ihren Mann angerufen. Sie überlegte, die Reha abzubrechen. Auch andere Patienten weigerten sich die Lebensmittel zu sich zu nehmen und beschränkten ihren Konsum auf das nötigste. Ansonsten gingen diese Patienten im Ort essen. Aber das konnte es doch nicht sein?!

Ich forderte eine Ernährungsvberatung, in der Hoffnung, dass mich das weiterbrachte.

Dadurch, dass ich mich beschwerte, war ich fortan die Böse. Ich wies mehrfach auf diverse Allergien hin und ich wollte ein anderes Zimmer ohne Teppichfußboden – wenigstens das. Ich bekam kein teppichfreies Zimmer und kein Bad ohne Schimmel, sondern blieb in dem dunklen Loch, wo man nicht mal mitbekam, wenn die Sonne schien. Bei anderen Patienten war das anders, aber die hatten auch eine andere Bezugstherapeutin.

Die Ernährungsberatung

Davon hatte ich in meinem Leben schon einige und wie alles, unterlag auch die Ernährung ständiger neuer wissenschaftlicher Ergebnisse. So war ich gespannt, was mir die geforderte Ernährungsberatung einbrachte.

Erstaunlicherweise wurden alle Erkenntnisse bestätigt, die ich aus den letzten Jahren schon kannte. Also nichts Neues in West, Ost, Nord oder Süd.

Ernährungspyramide

Bezug und Bildrechte: LAGZ Rheinland-Pfalz lagz-rlp.de

Die Ernährungspyramide war aktueller denn je.

Mit erstaunen vernahm ich von der Ernährungsberaterin, dass sie meine Situation in keinster Weise verbessern konnte. Ich musste mir damit aushelfen, die Lebensmittel herauszufiltern, die ich nicht essen konnte oder nicht wolle. Ihre Einflussnahme hatte eindeutige Grenzen und scheiterte an der Einschätzung der Psycho-Therapeuten, die alles als Einbildung einordneten, was nicht wissenschaftlich belegt sei. Aber ich hatte einen Allergiepass, in dem Zusammenfassend & platzsparend die Lebensmittelgruppen aufgeführt waren, die ich unbedingt meiden sollte. Die beiden Ernährungsberaterinnen rieten mir, ich solle mich möglichst aus dem Bioladen im Ort versorgen.

Ich ernähre mich zwar in erster Linie von biologisch angebauten und erzeugten Lebensmitteln, aber die Angebote in dem kleinen Biogeschäft waren in Relation zum Bio-Supermarkt doppelt so teuer.  Das konnte ich mir nicht mehr leisten. Jedoch in einer Klinik von dieser Größe würde sich das lohnen –  für die Patienten und auch für den Klinikhaushalt, abgesehen von der guten Presse. Wenn dann noch eine eigene Küche eingerichtet werden würde, wäre das perfekt. So wurden die Speisen fertig aus einer Großküche angeliefert. Vermutlich bekamen alle Kliniken und Altersheime im Ort Bad Berleburg das gleiche Essen geliefert. Mit einer eigenen Küche könnten die Köche mit den Ernährungsberatern direkt auf die Bedürfnisse der Patienten eingehen und das Küchenpersonal wüsste genau, was der Inhalt von Soßen, Überbackenem und Suppe war.

Ich kaufte mir einige Lebensmittel in dem kleinen Biogeschäft.

Biogeschäft

Der einzige Bioladen in Bad Berleburg, vermutlich in der gesamten Region – traurig.

Klinikkoller

Ich konnte nichts mehr falsch machen und machte das mit, was mir hilfreich erschien. Es waren Vorschläge – kein Zwang. Das hörte ich in der ersten Sitzung aus dem Mund meiner Bezugstherapeutin, wie auch von meinen Mitpatienten, die mich weitgehend unterstützten. Ich bräuchte mich nicht einmal abzumelden – so der einhellige Tenor. Doch anscheinend waren die Vorschläge doch mehr als nur Vorschläge. Warum man diese dann so nannte, bleibt ein Rätsel.

Ich ging bei sonnigem Wetter nach einer Woche Klinikknast spazieren. Offenbar hatte ich einen Klinikkoller. Das ist kein schönes Gefühl und ich denke, dass sich Heimweh so anfühlt. Es tut geradezu weh und man will nur noch weg. Es ist eine Macht, gegen die man sich kaum wehren kann und vielleicht auch nicht sollte. Man spürt förmlich, wie alle Lebenskraft aus dem Körper verschwindet … man muss wieder auftanken und das geht nur, wenn man den Ort verlässt, der einen aussaugen will.

Meine erste Inspektion der Umgebung führte mich über das Klinikgelände und in die Landschaft nebenan.

Mein Ausflug war gut und nötig und das wiederholte ich in regelmäßigen Abständen. Ich ließ einige der Termine einfach ausfallen, die mir nicht nützlich erschienen. Was mir letztlich gut tat, wurde mir bei der Visite zum Vorwurf gemacht. Eigenartig … es war die Oberärztin selbst, die bei einer Infoveranstaltung der Stationsgruppen explizid darauf hingewiesen hatte, dass man nur das machen sollte, was einem guttat und sich zu nichts zwingen sollte. Das tat ich und nun war es falsch? Ich verstehe dieses Hin und Her nicht.

Die Anderen

Es gab einige Patienten, die sich in Bad Berleburg mit Kopfkissen, Bettdecken und Laken sowie Bettbezügen versorgten. Einige sah ich sogar mit Toilettenpapier unter dem Arm. Ich sprach eine Patientin an. Sie erklärte, sie sei auf das chlorgebleichte dünne Material allergisch und hatte in der Folge alles wund.

Den Kauf der Bettbezüge und Decke mit Kopfkissen konnte ich auch nachvollziehen. Die vorhandenen Bettdecken waren für die Minustemperaturen unter 10° Grad nicht ausreichend. Ich ließ mir eine zweite Bettdecke geben, die mich gleichsam fast erdrückte. Das Material war nicht neu und schwer war es geworden. Ein Kopfkissen hatte ich mit, wie auch zwei Bezüge aus Biber, was ebenfalls wärmt.

In der Cafeteria saßen auch zu den Mittagszeiten immer einige Patienten, die sich das Essen schmecken ließen, dass es dort neben dem Kuchen gab. Ich glaube nicht, dass eine Bockwurst mit Pommes und Ketchup besser war, als das Fertigfutter aus einer Großküche, aber es schmeckte sicher besser. Der Kuchen jedenfalls war genial, obwohl auch der eingefroren angeliefert wurde und Ähnlichkeit mit den Fertigtorten von Coppenrath & Wiese hatte. Wir fragten nicht in welcher Großbäckerei er gefertigt wurde – manchmal war es besser sowas nicht zu wissen.

Abschlussgedeck in der Cafeteria der Klinik

Filzen

Meine Freizeitgestaltung konnte mir jedoch niemand vorwerfen und ich war in meinem Leben schon immer sehr unterschiedlich und interessiert unterwegs und ich machte selbstverständlich mit, als mich eine Mitpatientin fragte. So zum Beispiel beim Filzen. Was ich nicht wusste: Filzen ist Körperarbeit. Man muss seine gesamte Kraft einsetzen und die Flächen immer wieder walgen, damit sich die einzelnen Filzfetzen für immer verbinden. Ich war am Rande meiner körperlichen Einsatzfähigkeit angekommen … mittendrin. Meine Rückenschmerzen versauten mir die Freude und das Weiterarbeiten. Aber im Gegensatz zu allen anderen Dingen, die mich ausbremsten, wurde mir hier geholfen … sonst hätte ich meine ersten Filzschuhe wohl nie fertig bekommen.

Ergotherapie

Wichtige Aufgaben sind unter anderem, dass man das tut, was einem die Kreativität erhält und Spaß macht. So haben wir es in den Therapiegesprächen in der Gruppe gelernt. Wenn das ein Ergebnis meiner Mitarbeitsverweigerung ist, dann habe ich kein Bild gemalt, keine Tiere aus Holz gesägt und auch nicht gefilzt.

Komisch, ich weiß gar nicht, woher ich das Wissen über das Filzen nahm oder aus Holz eine Figur aussägen können … kann man das auch, wenn man die Therapievorschläge nicht wahrnahm?

Ich malte ein Bild, dass ich mit schwarzer und dunkelvioletter Farbe begann. Ich wusste nicht genau, wohin die Reise ging, aber das Ergebnis der großen Visite hatte meine Farbgestaltung beeinflusst. Das bemerkte auch die Ergo-Therapeutin. Ich sprach mich bei ihr aus, als die anderen eine Pause einlegten. Wir nutzten die Zweisamkeit und ich fühlte mich verstanden. Sie hörte mir zu und nahm meine Sorgen, Ängste und Erwartungen ernst. Das war bei den Psycho-Therapeuten nicht der Fall. Im Laufe des Nachmittags wurde meine Laune besser und so auch die Farbgebung des Bildes. Beim Aussägen des geplanten Baumes, ergaben sich weitere Holzfiguren, die ich bearbeitete und am Ende anmalte. Eine Wolke, ein Elefant und ein fliegender Vogel, sowie ein Stein. Die Hauptfarbe und die Bildteile schob ich Tagelang auf dem Bild hin und her, bis ich wusste, wie alles zusammenpasste und ein stimmiges Bild meiner Gefühle wiedergab, die nicht unbedingt die Ausgangsstimmung wiederspiegelten. Alle Teile klebte ich am Ende auf die Leinwand.

Mich würde interessieren, was ein echter Psychologe aus dem Bild liest …

Musiktherapie

Musikalisch bin ich nicht wirklich … doch das hat richtig Spaß gemacht. Einfach mal spielen dürfen, auch wenn man es nicht kann. Doch was ist richtig und was ist falsch, was kann man und was kann man nicht? Falsch kann nur das sein, wenn man es nicht ausprobiert. Wir haben es alle ausprobiert und es haben sich rhythmische Stücke ergeben, die sich richtig toll anhörten. Das erwartete Chaos blieb aus. Wir waren ein Team, eine Musikgruppe, bei der jeder ein anderes Instrument betätigte und dennoch hat sich ein Musikstück entwickelt – ohne Namen, ohne Noten und ohne Dirigenten. Trommeln mit den Händen, ein Schlagzeug benutzen, Tasten auf dem Klavier anschlagen, an Gitarren oder anderen Instrumenten zupfen … Musikinstrumente deren Namen ich nicht kenne. Alles durcheinander und dennoch im Fluss, gemeinsam und im Team.

Wer macht nicht mit? Wer arbeitet nicht an sich? Meine sogenannten Bezugstherapeuten können mich nicht gemeint haben.

Die Visite

… ein Martyrium für sich. Sigmund Freud würde sich vermutlich im Grab herumdrehen.

Der Patient sitzt im Gruppenraum, der viel zu groß wirkt und der Oberärztin und den Therapeutinnen gegenüber. Der Patient sitzt so, dass dieser in die Helligkeit sieht.

Das ist bekannt aus der psychologischen Kriegsführung, in denen Spione mit Lichtkegeln angestrahlt werden und der Verhörende selbst nicht zu sehen ist. Diese Taktik wird auch gerne bei Einstellungsgesprächen genutzt. Der Bewerber kann gut gesehen werden, jede Regung, die Geste, seine Mimik. Er selbst muss gegen das Licht sehen und wird geblendet. Die Aufteilung der Stühle erinnert zudem an die Aufteilung in einem Gerichtssaal. Auf der einen Seite das Opfer oder der Zeuge, auf der anderen die Ankläger und von denen mit geringem Abstand der Richter. Breitbeinig und mit bestimmender Körperhaltung. Einschüchterung pur.

Es wurde festgestellt, dass ich unter Einbildung meiner Allergien leiden würde. Ich hörte es, glaubte es aber kaum und musste unwillkürlich lächeln. Da haben sich anscheinend ganze Generationen von Allergologen geirrt. Selbst die Ergebnisse des letzten Tests war dann sicher auch eine Fälschung. Das war der Knaller des Tages.

Mir wurde mitgeteilt, dass ich nicht mitarbeiten würde und zu keiner der vorgeschlagenen Therapien erscheinen würde. Ich erläuterte, dass mir mitgeteilt wurde, dass es sich um Vorschläge handelte und nicht um Pflichtveranstaltungen, die ich unbedingt besuchen musste. Bei dieser Visite wurde ich eines besseren belehrt. Dann zählte sie meine angeblichen Verfehlungen auf. Ich würde mich weigern an den Gesprächen aktiv teilzunehmen. Doch das war eine glatte Lüge. Ich habe mich sehr wohl an allen Gesprächen beteiligt, sofern ich etwas dazu beitragen konnte. Essstörungen gehört nicht dazu und Burnout wurde nicht wirklich behandelt, was eher in die Abteilung Depression passt und erst nach dieser Visite drangekommen war. Ich kann bis heute nicht erkennen, dass ich mich nicht eingebracht oder mitgearbeitet hätte. Die von mir bearbeiteten Vorlagen sehen so aus:

Dann habe ich einige der Notizen aus den Gruppentherapierunden abfotografiert, um nichts zu vergessen. Macht das jemand, der sich nicht für die Sache interessiert, sich nicht einbringt oder mitarbeiten will?

Nach nur zwei Gesprächen zu je 30 Minuten und einer einzigen Visite in „Station 1“, die einer Inquisition ähnelte, wurde ich als gesund und als sofort arbeitsfähig ohne Wiedereingliederungszeit eingestuft. Dabei bleib es bis zum Schluss – ohne wenn und aber, ohne weitere Gespräche oder Visiten.

Arbeitsschutz

… als wenn es noch nicht reichte … ein Niesanfall in der Cafeteria ließ mich an die Grippeepidemie denken, die diese Klinik fest im Würgegriff hatte und reihenweise Opfer forderte. Therapiestunden fielen aus und auch die Patienten lagen mehr oder weniger in ihren Zimmern im Bett festgenagelt und verpassten das schöne Wetter und alle ihre Therapieeinheiten. Aber das war nicht der Auslöser meiner Niesattacke, sondern die unglaublich verdreckte Klimaanlage, unter der ich saß. Die verstaubte Klimaanlage pustete nicht nur sämtliche Bazillen und Viren filterlos durch alle Gänge und in jeden Raum. Ich konnte mir die Bazillenwolke vorstellen, die aus den Ritzen wehte und sich auf alle ungeschüptzten Opfer stürzte, aber auch die Staubpartikel, die ich einatmete und die für Husten- und Asthmaanfälle sorgten.

Bemerkenswert ist jedoch, wie wenig die Klinik für den Arbeitsschutz ihrer Mitarbeiter tat. Ich fragte mich tatsächlich, ob es keinen Arbeitsschutzbeauftragten gab, der sich um die Umsetzung der Arbeitssicherheitsvorschriften kümmerte. Der Arbeitsschutz wurde ins Leben gerufen, um chronische Spätfolgen und Krankheiten bei den Beschäftigten zu verhindern,die sich immer in diesen Räumen aufhielten – den ganzen Tag, Monate, Jahre.

Der Dreck der aus der Klimaanlage entwich, war Katastrophe für Patienten mit Atemwegserkrankungen oder Allergien und wurden dem Schmutz ungefragt ausgesetzt. Die Beschäftigten der Klinik konnten die Klinik wenigstens nach der Arbeit verlassen. Die Patienten hielten sich während der Reha 24 Stunden lang in der Klinik auf.

Vielleicht liest das hier ja einer der Arbeitsschutzbeauftragten aus NRW oder der Berufsgenossenschaft. Es wäre in der Klinik wohl eine Art Meilenstein, wenn da mal jemand „aufräumte“.

GrippePandemie

Niemand wurde verschont. Patienten, Thrapeuten und Personal – reihenweise wurden alle krank. Gegenmaßnahmen: KEINE !

Es wurde bei Bedarf mal eben ein Antibiotikum verordnet. Meist handelte es sich um Ibuprofen  oder  Penicillin oder anderen Mittelchen mit gleichen Inhaltstoffen und nicht weniger aggressiv, als das Original. Wer das nicht verträgt, hat eben Pech. Hilfe gleich Null. Als Allergiker bekommt man entweder die Hölle auf Erden präsentiert, oder es hilft. Es ist aber ein Handel, deren Verlierer dabei auch das Leben verlieren könnte. Das nennt man dann anaphylaktischen Schock.

Ein Allergiker nimmt solche Hammer-Mittel nicht.

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Kein Raumschiff, nur einer der Klinikgänge.

Auf einem der unendlich langen Klinikgängen traf ich eines Tages einen Mitpatienten, der sich gerade seine Chemiekeule im Schwesternzimmer abgeholt hatte. Er meinte, dass ihm kaum noch Pharma-Medizin helfe und nur noch die volle Dosis möglich sei. Alles andere bräuchte er gar nicht erst schlucken: sinnlos.

Siehe dazu auch unter: Medikamentenresistenz

Manche Menschen scheinen es immer noch nicht mitbekommen zu haben: die Resistenz gegenüber Medikamenten war ein Produkt der ständigen Pestizide und den Medikamentencocktail der Nutztiere. Die Wirkstoffe wurden bis zum Schlachten nicht mehr abgebaut und landeten ungefiltert auf unserem Teller. Dadurch entwickelten sich Resistenzen. Pestizide wirken mit den Medikamentenresten und ergeben einen neuen Cocktail, den manche Menschen nicht abbauen. Einige entwickeln Allergien und andere wurden resistent. Die Gefahr bei einer Resistenz ist, dass bei einem Unfall oder Schlaganfall lebensrettende Medikamente unter Umständen nicht wirken.

Endlich wurde auch ich von der Pandemie ergriffen und lag ziemlich schnell flach. Ich fühlte mich schlecht. Neben bekannten Fieber- und Schüttelfrostanfällen, traten zusätzliche Gliederschmerzen, Schwindel und das Gefühl sich übergeben zu müssen, auf. Doch am Schlimmsten waren die unterbliebenen Hilfen. Ich bekam keine Zitrusfrucht, keinen Ingwer, keinen Tee aus der Kräuterküche – es waren kleine Hausmittel, die mir immer halfen eine Grippe abzuwehren. Sogar Meditonsin war besser, als alles andere, was die Pharma-Chemieküche anbot. Ich bekam keine Bäder nach Kneipp oder Inhalationen mit hustenlösenden Kräutern. Keine Hühnersuppe zur Unterstützung der natürlichen, körperaktiven Abwehrmechanismen. Ich bekam nichts.

Wenn meine Mitpatientin nicht gewesen wäre, hätte ich auch sterben können. Ich wäre vermutlich verdurstet und verhungert, weil ich mich nicht aus dem Bett bewegen konnte. Sobald ich das versuchte, verschwamm die Welt um mich herum. Mich hatte es dolle erwischt und ich fragte mich, ob es den anderen auch so schlecht erging.

Doch die Untätigkeit der Klinikbeschäftigten, in erster Linie der behandelnden Ärzte, war eindeutig Körperverletzung und das war unterlassene Hilfeleistung. Sogar nachdem eine Schwester von meinem Infekt – durch die Mitteiling der Mitpatientin – kenntnis von meinem Zustand bekommen hatte und sie mir wenigstens Bronchialtee kochte, wurde ich nicht von einer Ärztin aufgesucht und untersucht.

Ich lebte täglich von einer Banane, einem Brötchen und Honig, den ich auch in den Bronchialtee hineinrührte und nahm nebenbei innerhalb von fünf Tagen fünf Kilo ab. Das schadet mir nicht wirklich, aber die Menge auf die Tage gerechnet war schon eine Hausnummer für einen Organismus, der mit einer Grippe kämpfte und kaum Unterstützung bei diesem Kampf bekam.

Ergebnis

Ich wurde nur eine Woche später als gesund entlassen – mit der Grippe, die ich noch immer hatte und trotzdem ich um eine Verlängerung bat. Einen Tag nach meiner Rückkehr, suchte ich meinen Hausarzt auf. Ich musste mich weiterhin krankschreiben lassen.

Mein Hausarzt war entsetzt von der Schilderung über die Reha-Maßnahme, der nichterfolgten Therapiemaßnahmen, die über die psychosomatische Gruppendynamik hinausgingen, und der unterbliebenen Hilfe während der Grippe. Von den Folgen für meine Zukunft abgesehen, war der Aufenthalt in der Helios-Klinik Rothaar in Bad Berleburg Körperverletzung und Zeitverschwendung. Das Geld hätte sich die DRV sparen können – denn ich werde keine Zusatzleistungen zahlen. Meine Geduld in dieser Sache ist aufgebraucht.

Ziel verfehlt

Über zwei Jahre kämpfe ich um die Anerkennung meiner Leiden. Seit 2013 versuchte ich eine Reha-Maßnahme zu beantragen, die insgesamt sechs Mal von der DRV abgelehnt wurde. Erst das Sozialgericht hat mir durch einen Vergleich, der einer Erpressung gleich kommt, eine Reha-Maßnahme in Aussicht gestellt. Ich unterschrieb diese Erpressung, weil ich die Reha wollte. Die Auswahl fiel auf eine Klinik, die auf ihrer Webseite damit warb Erkrankungen für HNO, div. Hautkrankheiten und Allergien, Orthopädie und psychosomatische Erkrankungen parallel therapieren zu können. Unter anderen wird auch mit stolzgeschwellter Brust auf die Behandlung des Borderline-Syndroms verwiesen. Ein/e betroffene/r Patient/in ,it genau dieser Diagnose ist untherapiert nach Hause gefahren. Alle diese Abteilungen gibt es tatsächlich und alle können trockenen Fußes über Gänge erreicht werden. Die Klinik ist ein riesiger Komplex, was man auf dem Luftbild erkennen kann. Weitere Kliniken der HELIOS-Gruppe sind im Ort verteilt, gehören aber nicht unmittelbar zu dieser Klinik, die sich Rothaar – nach dem Gebirgszug Rothaarsteig um Wittgenstein im Sauerland – nennt.

Wenn nun jemand mit mehreren Diagnosen in eine Klinik eilt, dann möchte dieser Patient eine Lösung oder Hilfen an die Hand bekommen, die ihr/ihm das Leben erleichtern. Doch in dieser Klinik, mit diesen Ärzten der psychosomatischen Abteilung der Station 1, ist das Wunschdenken. Die Mitarbeit bleibt auf den Patienten beschränkt und auf Gruppenarbeiten und Anwendungen wie Ergotherapie, Sportprogramm und Freizeitgestaltung reduziert.

Und zum Schluss: wer in eine Reha-Maßnahme will, muss von seinen behandelnden Ärzten eine Bescheinigung über die Reisefähigkeit ausfüllen lassen und diese vor Antritt an die Reha-Einrichtung oder Klinik per Post / Mail übermitteln. Umgekehrt scheint das nicht zu gelten.

Meine Klinikbewertung

Diagnose ‚Arbeitsfähig‘ trotz schwerste Erkrankungen

FrancisBee berichtet als Patient; Benutzerempfehlung  Empfehlung

Gesamtzufriedenheit: unzufrieden (Ignoranz der Ärzte gegenüber dem Patienten)
Qualität der Beratung: unzufrieden (… es gab keine. Nur wenige Gruppen- und Einzelgespräche)
Medizinische Behandlung: unzufrieden (keine vorhanden für mein Gesamtpaket)
Verwaltung und Abläufe: unzufrieden (keine Weiterleitung der Unterlagen)
Ausstattung und Gestaltung: weniger zufrieden (Teppich, trotz Angabe von Allergien (z.B.))
Pro: Ergo-, Physiotherapeuten, Küchenpersonal, Schwestern bemühen sich
Kontra: unfähige Psychotherapeuten, Urteil nach 2x Hände „schütteln“
Krankheitsbild: Fibromyalgie, Neurodermitis, Asthma, Allergien, Wirbelschäden
Privatpatient: nein
Erfahrungsbericht:

Da ich mehrere Erkrankungen gleichzeitig habe, wurde diese Klinik ausgewählt. Hier dachte ich, bin ich gut aufgehoben. Es gibt neben der psychosomatischen auch eine orthopädische und dermatologische Abteilung. Leider hat sich meine anfängliche Euphorie schnell gelegt, als nach 2 kurzen Gesprächszeiten von 30 Minuten mit der Bezugstherapeutin schon ein Ergebnis oder besser ‚Urteil‘ über mich gefällt wurde. Leider habe ich weder eine psychische Erkrankung, noch bin ich faul oder arbeite nicht mit. Ich kann nur nicht. Da man Schmerzen nicht sehen kann, nimmt man mir meine Erkrankung nicht ab. Im Gegenteil. Auch wird behauptet, dass ich keine Allergien hätte und der Teppichfußboden in meinem Zimmer keine Reaktionen auslösen könne. Blöd nur, dass ich einen Allergiepass habe. Aber ausgefüllte Formulare, die im Vorfeld abgegeben werden mussten, wurden weder berücksichtigt, gelesen noch einbezogen. Die Arbeit hätte ich mir sparen können. Ich musste wiederholt u. mehrmals das Gleiche ausfüllen. Meine Schwerbehinderung wurde ebenso wenig berücksichtigt, wie mein Wunsch an einer Schmerztherapie im Umgang mit Fibromyalgie, Neurodermitis, Asthma, Allergien und orthop. Schäden teilzunehmen.
Die Nahrungsaufnahme gestaltet sich ebenso schwierig, weil das Essen fertig u. mit chem. Zusatzstoffen ist. Da ich mich biologisch ernähre ist das Fertigfutter u.f. Allergiker der Supergau. Bei Gluten oder Laktoseintoleranz ist es ähnlich.
Man sollte sich nicht zu viel Hoffnungen machen, dass einem geholfen wird. Die Psychologen sind zu jung und haben keinerlei Lebenserfahrung und nutzen die Klinik max. als Sprungbrett und die älteren Kollegen sitzen es aus, auch wenn sie es besser wissen müssten. Ob das nun Unwissenheit, Dummheit, Arroganz oder einfach Hinterlistigkeit ist, überlasse ich anderen. Ich werde jedenfalls keinen Fuß mehr in diese Klinik setzen, in der nicht nur ich mich nicht behandelt und aufgehoben gefühlt habe.
Sterne erhalten von mir nur die Ergo- u. Physiotherapeuten, sowie das nette Personal der Küche u. Ernährungsberatung. Und alle samt haben gegenüber den Psycho-Ärzten kein Mitspracherecht!

 

… und manchmal bedaure ich fast, dass ich nicht einfach Ballaballa bin.

Impressionen von der Umgebung

Das Rohaargebirge, das Sauerland und die Gegend um den Wittgenstein hält viele landschaftlich schöne Überraschungen bereit. Ein Urlaub lohnt sich allemal.

Die Welt ist aus den Fugen

Nein, nein und nochmals nein!

Das nehme ich nicht mehr hin. Wenn ich eins in der Klinik gelernt hatte, dann dass ich das nicht hinnehmen muss und das werde ich auch nicht. Ich weiß längst, was ich in Zukunft machen will und ich weiß, dass das meine einzige Zukunft sein kann. Ich will das schon mein Leben lang. Jetzt ist es Zeit …

Sonnenuntergang

Die Welt ist aus den Fugen und doch ist alles ganz klar.

Alle Fotos haben einen Untertitel, der sichtbar wird, wenn man mit dem Curser auf das Bild geht und alle Fotos können vergrößert angesehen werden. Das betreffende Bild mehrfach anklicken und es öffnet sich ein weiteres Fenster und das Foto wird vergrößert abgebildet.

Die Fotos unterliegen dem Urheberrecht und dürfen nicht ohne Erlaubnis der Fotografin kopiert / heruntergeladen werden. Francis Bee

Portrait

Francis Bee im Wittgensteiner Rothaargebirge, Foto: Susanne

Beitragsfoto: Honigbiene auf Schneedecke … sie lebte und flog davon … ganz schön taff.

 

Reaktionen auf den Bericht

Kommentare auf myheimat.de https://www.myheimat.de/bad-berleburg/blaulicht/wenn-die-reha-massnahme-zum-trauma-wird-d2860525.html#comment2758459

xxx | 20.03.2018 | 04:26

Klingt schlimm…
Aber wenn man krank ist, hat die Gesellschaft wenig Interesse… muss man dazu noch aufhören zu arbeiten, ist man für sie eh nur faul und wirr…

Antwort/Reaktion

Francis Bee | 20.03.2018 | 10:50 |

@xxx, das kann ich nur bis zu einem gewissen Grad teilen.
Die Gesellschaft erkennt sehr wohl an, wenn jemand 40 Jahre in Vollzeit gearbeitet hat und aus welchen Gründen auch immer dann krank geworden ist. Was die Gesellschaft nicht anerkennt ist, wenn der Betroffene / Erkrankte noch jung ist. Ich habe einige Patienten gesehen, die noch viel zu jung waren für das Nichtstun – abgesehen davon, ob sie nun tatsächlich in der Lage wären. Was die Gesellschaft auch nicht anerkennt ist Faulheit.
Doch wie misst man Faulheit?
In meinem Erlebnis geht es aber auch darum, wie wenig Therapeuten (und Institutionen: Kliniken, DRV, Krankenkassen, etc.) erkennen und akzeptieren können, wenn man nicht einem bestimmten Klischee entspricht – also aus dem Rahmen fällt.
Wenn ein Allergiker Tomaten oder Erdbeeren verträgt, entspricht er nicht dem typischen Klischee eines Allergikers.
Wenn jemand Krankheiten hat, die nicht aus der Giftküche der Depressionen (psychischen Störungen) stammt, entspricht dieser auch nicht diesem Klischee.
Ich prangere diese Praxis an.
Der Mensch ist zu verschieden, individuell und dafür muss man für eine Verbesserung anders herangehen. Da reicht es nicht, dass der Betroffene Dinge zugibt, die gar nicht vorhanden sind, weil sie nicht das Problem sind.
Die Problembekämpfung kann vielleicht aber auch nicht immer mit Psychosomatik erfolgen. Vielleicht wäre eine Hilfestellung, Unterstützung mit den Leiden zurechtzukommen, schon genug.
Depressionen u.ä. ergeben sich aus den vorhandenen Erkrankungen, wenn man sie nicht behandeln kann oder der Betroffene keine Hilfe erhält. Es hilft dann auch nicht, denjenigen in die Schublade „Ballaballa“ stecken zu wollen – weil derjenige dort nicht hineingehört und auch dadurch keine Hilfe erhält.
vg Francis

4 Gedanken zu “Wenn die Reha-Maßnahme zum Trauma wird

  1. Um Himmels Willen- das fällt mir ein, wenn ich deinen Bericht lese, der ja sehr, sehr lang ist und evtl. wäre es besser gewesen, du hättest in in mehreren Teilen veröffentlicht, denn so kann man kaum verarbeiten, was du alles schreibst.
    Ich war noch nie in einer Reha, aber mir wird angst und bange, wenn ich die solche Bilder sehe und das Verhalten der Ärzte reflektiere! Mein Mann war kürzlich auch in Reha, aber obwohl sein Zimmer auch ziemlich „alt“ ausgestattet war, konnte er mit der Betreuung sehr zufrieden sein und nach vier Wochen war er wieder recht fit (neues Kniegelenk). War aber keine HELIOS Klinik. Ich denke mal, du musst da auch die entsprechenden Stellen informieren (oder hast du schon? Vielleicht habe ich das überlesen) und auch die Krankenkasse informieren.
    Wünsche dir alles Gute, liebe Grüße Sigrid

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  2. Vielen Dank, für das Feedback. Ja, ist länger geworden, als ich wollte. Aber wen es interessiert, liest es auch in der Länge. Es sind natürlich nicht alle Reha-Kliniken so und auch das Erlebnis mit dem Personal … das war neu. Das war ja auch meine … keine Ahnung wie viele Reha in meinem Leben, daher kann ich eine Beurteilung wagen.
    Vielen Dank auch für den Link. Sehr interessant. Wallraff gehört ohnehin zu meinen Favoriten, was den Journalismus angeht: ehrlich, entlarvend, anprangernd. Dem Herrn De Meo werde ich mal einen Link zuschicken. Dann kann er sich persönlich um diese Schieflage in seinem Haus kümmern. Vielleicht eine gute Idee … ich hoffe es für alle, denen es ähnlich gegangen ist (siehe Klinikbewertungen von anderen. Alle Unzufriedenen geben erst keine Bewertung ab, weil sie froh sind weg zu sein – sagte ein Patient zu mir, der genervt und therapiert abreiste … ich habe längst nicht alles geschrieben.)
    vg Francis

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  3. Pingback: Ohne Rücksicht auf die Gesundheit | Francis Bee

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